Das Frankfurt-Spiel, wie es hätte sein sollen

1:2 verloren gegen Frankfurt, na supa. Eigentlich wollte ich Euch heute eine ganz andere Geschichte erzählen. Und die geht so.

Stellt Euch das bekloppte Zebra vor, wie es um sechs Uhr aufsteht und im Bad noch schneller macht als sonst, um wie ein Irres mit dem Auto (tatsächlich angesprungen!) zum Stadion zu fahren, dort zu parken und mit klappernden Schuhen und schnellen Schritten zum Bahnhof Schlenk zu eilen, um dort irgendwie doch noch die S-Bahn nach Düsseldorf zu erwischen.

Stellt Euch das Zebra weiter vor, in der Redaktion, und da wird der Tag natürlich doch wieder länger und länger, und das Zebra überlegt, ob es das erste Heimspiel überhaupt sehen kann und will, denn schließlich sind es draußen minus zehn Grad (warum beginnt der Winter eigentlich immer erst, wenn die Winterpause vorüber ist?).

Irgendwann ist dann wider Erwarten doch alles erledigt, die erste Halbzeit läuft längst, aber das Zebra (schnelle Schritte, klappernde Schuhe!) rast zum Bahnhof in Ddorf, springt in die S-Bahn, tuckert nach Duisburg. Es ist spät und einfach nur richtigrichtig scheißekalt, aber das Zebra weiß: Es kann das Spiel wohl doch nicht verpassen, auch nicht bei miesen Wintertemperaturen und sonstigen widrigen Umständen.

Im Schlenk angekommen, galoppiert das Zebra (ja: schnelle Schritte, klappernde Schuhe!) diesen dunklen Weg am Kleingartendingsbums Heimaterde vorbei Richtung Stadion, Richtung Auto. Dort hat es Winterstiefel gebunkert, die klappernden Büro-Schuhe werden hopp, hopp, hopp gegen die Boots getauscht. Lagen den ganzen Tag im Auto, sind auch scheißekalt. Alle Sachen, die das Zebra im Alltag lebensnotwenig braucht (Deo, Wimperntusche, Blistex in der Dose), die ihm am Eingang des Stadions aber sowieso abgenommen werden, wirft es in den Kofferraum, den MSV-Schal schnell umgebunden, dann los, los, los, ins Stadion (schnelle Schritte, Flüsterschuhe), da ist gerade die Halbzeit um, und jetzt kommt der Moment, auf den Ihr alle schon seit drei Absätzen sehnsüchtig wartet: Das Zebra ist keine zwei Minuten an seinem angestammten Platz auf der Tribüne, da fällt der Ausgleich, und alle feiern. Feiern nicht nur das Tor, sondern auch das verspätete Zebra, denn jetzt wird ja alles gut, weil das Zebra ganz offensichtlich mit seinem bloßen Erscheinen dafür gesorgt hat, dass dieses vermaledeite Tor endlich fällt!

Ja, ich hätte Euch die Geschichte gerne so erzählt:

Das Zebra sitzt endlich auf seinem angestammten Platz auf der KöPi, und auch wenn die Füße nicht mehr einfach nur kalt sind, sondern trotz Winterboots die ersten Erfrierungen aufweisen, scheißegal, es steht 1:1, und jetzt kann es ja so richtig losgehen auf dem Rasen, der trotz extremer Kälte optimal zu bespielen ist. Der Schiri pfeift gerecht, und dann fällt das 2:1 und dann das 3:1, und Baki schießt auch noch einen rein, 4:1, und das Zebras weiß, dass sich alle die Mühen und Erfrierungen am Ende des Tages doch gelohnt haben.

 

Aber wisst Ihr, der MSV bleibt einfach der MSV. Und Zebras sind keine Tiere, die in Märchen vorkommen.

Und deswegen kann ich Euch die Geschichte nicht so erzählen, wie ich es vorhatte. Und das Zebra ist und bleibt einfach nur ein bekloppter Fußball-Fan, der sich den Hintern abgefroren und geärgert hat. Und der mal wieder glaubte, dass am Ende alles gut wird. Und enttäuscht wurde.

Wünsche Euch – trotzdem – ein schönes Wochenende.

2 Gedanken zu “Das Frankfurt-Spiel, wie es hätte sein sollen

  1. tina, zu oft „kettcar“ live gesehen/gehört? stichwort „und die geht so….“ 😀
    aber die geschichte kann ich gut nachvollziehen. kann mich auch noch gut an einige klatschen bei dauerregen auf den unüberdachten stehplätzen (ja! das gabs echt mal!) erinnern…
    alles wird gut! irgendwann. auch für uns…