Warum sich im Netz keine Sau für den MSV interessiert

Vor wenigen Tagen flatterte eine Meldung rein, die das Graue-Maus-Image des MSV wieder einmal eindrucksvoll bestätigt: Nach einer meedia-Analyse hat die Webseite unserer Zebras weniger als 12.000 so genannter Unique User und ist damit die am schlechtesten besuchte Internetseite der gesamten zweiten Liga noch hinter dem FSV Frankfurt und Ingolstadt. In diesem Blog-Beitrag erkläre ich mit Hilfe von Rheinschaf André Wartmann unter anderem, warum sich im Netz keine Sau für den MSV interessiert, und was der Verein unbedingt besser machen muss, um online in die Hufe zu kommen.

Zunächst mal kurz für alle, die nicht so „drin“ sind im Internet-Neudeutsch: Der Begriff Unique User, also der „einzelne Nutzer“, drückt aus, wie viele Personen eine Webseite in einem bestimmten Zeitraum besucht haben. Dabei wird jeder Besucher auch wirklich nur einmal gezählt, unabhängig davon, wie viele Klicks er auf der Seite macht bzw. wie oft er auf die Seite zurückkehrt. Unique User werden ermittelt, um Reichweiten von Internetseiten angeben zu können. Das ist zum Beispiel für die Werbung wichtig. Denn Seiten mit vielen Unique Usern sind natürlich für wesentlich mehr werbetreibende Unternehmen interessant als Seiten mit wenigen Unique Usern. Auf dem zebrablog würde der DFB wahrscheinlich keine Anzeige schalten (selbst wenn ich es wollte – Konjunktiv irrealis!), auf kicker schon. „Die Besucherzahlen sagen zunächst nichts über die Qualität der Inhalte aus. Allerdings lässt sich anhand der Zahlen die Akzeptanz und Reichweite eines Mediums ablesen“, erklärt Social-Media-Experte, MSV-Fan und Zebra-Talker André Wartmann von Rheinschafen, mit dem ich mich lange über das Thema unterhalten habe.

Selbst die Seiten von Erzgebirge Aue werden häufiger angeklickt

Von den Schafen zurück zu den Zebras. Die sehen mal wieder gar nicht gut aus. Weder in der Liga. Noch im Online-Ranking der Bundesliga-Clubs. Weniger als 12.000 Unique User hat msv-duisburg.de  derzeit im Monat. Zum Vergleich: Bayern München kommt auf 470.000, was nicht weiter verwundert. Aber: Dynamo Dresden hat 110.000 und Alemannia Aachen 63.000 Unique User! Schlechter als die Zebras ist in der zweiten Liga keiner, selbst die Seite von Erzgebirge Aue hat mehr Besucher.

Nun mag man einwerfen, dass es angesichts der sportlichen und finanziellen Situation des MSV wichtigere Dinge gibt als Unique User und Online-Rankings. Doch das ist zu kurz gedacht. Denn in dem schlechten Ranking zeigt sich wieder einmal ein grundsätzliches Problem des MSV. André Wartmann: „Die Zugriffszahlen sind deshalb besorgniserregend, weil sie andeuten, dass der MSV über eine zwar sehr loyale, aber eben nur relativ kleine Fangemeinde verfügt. Dieser Schluss lässt sich leicht ziehen, wenn man die Anzahl der Unique-Besuche in Relation zu den Zuschauerzahlen setzt.“

Mit grauen Mäusen kann man kein Geld verdienen

Um es klar zu sagen: Es interessiert sich einfach keine Sau für den MSV. Das ist im „echten Leben“ nicht anders als im Internet: Ins Stadion kommen und auf die Homepage klicken nur ein paar tausend. Die Zebras sind graue Mäuse, in Deutschland und im World Wide Web. Und mit grauen Mäusen kann man kein Geld verdienen. „Ein Verein, der beim Online-Ranking auf dem letzten Platz steht, wird von Werbetreibenden nicht gebucht – und das eben nicht nur online, sondern mittlerweile auch in bei der klassischen Werbung, weil natürlich davon auszugehen ist, dass Online- und Reale-Welt-Reichweite korrespondieren“, erläutert André Wartmann. Insofern sagt das Ranking, das sich auf Google Analytics und damit das wichtigste und mit Abstand meistverwendete Web-Analysewerkzeug der Online-Werbetreibenden stützt, eben doch mehr aus als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Damit kann, damit darf sich der Verein nicht abfinden!

Was tun? Freikarten an Jugendfußballer zu verteilen und Werbe-Flyer drucken zu lassen, reicht schon lange nicht mehr aus (wenn es jemals ausgereicht haben sollte). Gerade durch die Möglichkeiten des Internet und des Web 2.0 (Facebook, Google+, Twitter etc.), können (und müssen!) sich alte Marken wie der MSV neu positionieren. Wer Fans an den den Verein binden und neue „Zebras“ begeistern will, der braucht mehr als nur eine langweilige Homepage, auf der – statisch und ohne Möglichkeit zur (Re)Aktion! – Pressemitteilungen veröffentlicht werden. „Der Verein müsste alles daran setzen, einen Internetauftritt hinzubekommen, der technisch, grafisch und inhaltlich den Ansprüchen der Zeit gerecht wird. Und vor allem müsste er aktives Social-Media-Marketing betreiben“, bringt es André Wartmann auf den Punkt.

Social- Media-Marketing bedeutet nicht allein, eine Facebook-Seite zu haben

Nochmal für alle, die nicht so „drin“ sind im Internet-Neudeutsch: Social-Media-Marketing beschreibt die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter für Marketingzwecke. „Und es bedeutet nicht allein, eine Facebook-Page zu haben“, fügt André Wartmann hinzu. Richtig. Bei Facebook erzielt der MSV zwar mit wenig Aufwand recht gute Erfolge (rund 15.000 haben auf „Gefällt mir“ geklickt). Aber wenn die Marketing- und/oder Presseabteilung des Vereins schlau(er) wäre und die Möglichkeiten des Web 2.0 besser (e)rkennen würde, dann würde man zum Beispiel die Homepage für Nutzerkommentare öffnen, Videos und Blogs einbinden. Dann würde man sich bei Twitter und auf anderen Plattformen betätigen und mutig den Dialog mit den Fans suchen anstatt die gesamte Fan-Kommunikation dem MSV-Portal zu überlassen. Man würde auf der Homepage exklusive Informationen anbieten und den Fans bzw. solchen, die es werden wollen, das Gefühl vermitteln: Hey, das ist echt ein cooler Verein, da könnte ich doch öfter mal vorbeischauen – entweder im Stadion oder auf der Website.

Das Ranking ist ein weiterer Warnschuss

Denn so läuft das heute für Firmen und Vereine. Neue Fans rekrutierst Du nicht nur im Internet. Aber wenn Du Dich hier schon als Wurst graue Maus präsentierst, wirst Du es im „echten Leben“ noch schwerer haben, die Menschen davon zu überzeugen, dass Du eigentlich die schönsten Streifen der ganzen Welt hast. Wenn Du aber wenig Menschen für Dich begeistern kannst, dann kaufen auch nur wenige Leute Deine Produkte oder Karten für das nächste Heimspiel. Und Sponsoren gehen lieber zu Fortuna Düsseldorf, weil da irgendwie alles besser läuft als in Duisburg. Insofern sollten die Verantwortlichen beim MSV das aktuelle Online-Ranking als das verstehen, was es ist: ein weiterer Warnschuss. Und dafür braucht man gar nicht mal richtig „drin“ zu sein im Internet-Neudeutsch.

20 Gedanken zu “Warum sich im Netz keine Sau für den MSV interessiert

  1. Ja, ein weiterer Warnschuss. Ein weiterer Warnschuss, der wirkungslos verpuffen wird und den niemand von den Zuständigen überhaupt nur gehört haben wird. Manchmal frage ich mich, wie unglaublich schlecht beraten man eigentlich sein muss, wenn man noch den nächsten und übernächsten Zug verpasst, während man selbst in Oberhausen oder Bochum mal so etwas wie Identitätsstiftendes oder auch nur in überhaupt irgendeiner Form Besonderes auf die Reihe bekommt.

    Es ist nur ein Randaspekt, dass man mit einer florienden Webseite selbst schon ein wenig Umsatz erzeugen kann. Viel schlimmer ist, dass alle jene, die nicht in der Nähe von Duisburg wohnen und Anhänger sind, über die Webseite des Vereins jedenfalls kaum weiter an den Verein gebunden werden bzw. dort irgendwelche Informationen fänden, die sie nicht auch dem Kicker entnehmen könnten.

    Angesichts der Tatsache, wie günstig jemand zu haben wäre, der eine vernünftige Webseite aufsetzte, diese mit ansprechenden Inhalten füllte und die wichtigsten Social-Media-Kanäle bediente, ist es geradezu symptomatisch, was für ein Eigentor durch Tatenlosigkeit hier mal wieder geschossen wird. Diese Wurschtigkeit beim Eigenmarketing mag in den 1960er oder 1970er, als die Konkurrenz auf ähnlich quasi nicht vorhandenem Niveau agierte, einen gewissen Charme besessen haben. Heute ist es nur noch der direkte Weg in die Bedeutungslosigkeit. Wo sich gerade mal ein paar Hundertschaften hinverirren, mehr oder weniger durch Zufall oder von Ahnen vererbt, aber nichts nachwächst, da spielt man in Bälde schon keinen Bundesligafußball mehr.

    Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 10 Jahren. Der nächstbeste Zeitpunkt ist heute. Aber das rafft man offenbar bei der Führung nicht, weil es dort an dem Wissen um überhaupt diese Möglichkeiten mangelt. Die Frage wäre also: Wer ist beim MSV für sowas zuständig und wie machte man ihnen klar, dass hier sehr leicht Besserung zu bewerkstelligen wäre, die auch recht schnell Früchte tragen könnte?

    (Ein Randaspekt, der zu diesen Zahlen geführt haben könnte, ist allerdings auch eine gewisse Bildungsferne der Menschen in Duisburg, daraus folgend eine generelle geringere Nutzung von Netzinhalten. Das könnte der MSV natürlich nicht selbst ändern, aber trotzdem ist hinter Bochum mit sehr ähnlichen Voraussetzungen zu liegen, kein akzeptabler Zustand.)

  2. Viele Vereine haben auf ihrer HP z.B. die Verlinkung zum jeweiligen Fanforum oder sogar ein eigenes Forum.
    Das bedeutet natürlich viele tausende Klicks pro Tag.
    Der MSV hat das nicht.
    Deswegen sind die Erhebungen völlig verwässert.
    Interessanter und aussagekräftiger wären dann die Besucherklicks der jeweiligen Seiten der Vereins URL.
    Dazu kommt natürlich, dass unsere HP wirklich öde ist und nicht wirklich zu öfteren besuchen animiert.Media Experte zu sein. 😉

  3. Zum Thema Forum: Steht ja oben, @Thomas. „Dann würde man sich bei Twitter und auf anderen Plattformen betätigen und mutig den Dialog mit den Fans suchen anstatt die gesamte Fan-Kommunikation dem MSV-Portal zu überlassen.“

    Es geht übrigens nicht um Klicks, sondern um Unique User. Das ist ein wichtiger Unterschied, bitte nicht verwechseln.

    • Seit 1959 gehe ich zum MSV (Meidericher Spielverein). Damals waren wir noch keine graue Maus.Denn 1963 hat der Verein sich was getraut! Er hat einen für damalige Verhältnisse innovativen Trainer mit Rudi Gutendorf verpflichtet. Außerdem hat man den Mut gehabt den Boss (Rahn) zu verpflichten, obwohl es damals ein gewisses Risiko bedeutete. Der Erfolg (Vizemeisterschaft) hat dem Präsidium letztendlich Recht gegeben. Ganz Deutschland hat mit Bewunderung über unseren Meidericher Spielverein geredet. Unser Verein war eine Marke und hatte eine Philosophie. Jetzt 50 Jahre später sind wir Lichtjahre davon entfernt. Schade! Ich wünsche mir heute Leite im Vorstand, die etwas von den Protagonisten aus den sechszigern Jahre haben. Da aber kann ich wohl lange warten!

  4. Die Zahlen sind in der Tat erschreckend. Und sie liessen sich mit minimalem Aufwand innerhalb kürzester Zeit korrigieren.

    Schöner Beitrag.

  5. Mich wundert gar nix mehr. Ich erinnere mich an ein Beispiel letzte Saison. Ein Link, auf dem man durch Klicken zur Tickethotline kommen sollte. Irgendein Vollpfosten hat allerdings den Link mit der Bayer Leverkusen Seite belegt – so das ich jedesmal auf der Homepage von dieser Werkself landete. Selbst nachdem ich via Mail an die MSV-Adresse diesen Fehler meldete, dauerte es gefühlt ewig, bis er behoben wurde. Nur so als Beispiel dafür, welche Fachkünstler da am Werk sind. Neeeee mich wundert gar nix mehr. Ehrlich nicht…. Ich weiß auch gar nicht, was ich überhaupt noch sagen soll zu dem ganzen Thema. Ich bin einfach zuuuu enttäuscht.

  6. …es gab mal eine direkte Verlinkung zum Forum, allerdings wurde die von Vereinsseite her gekappt, da dort geschriebenen Kommentare als zu negativ betrachtet wurden bzw zu ausfallend waren. So war das. lg sp

    • Ich weiß, diesen Link gab es bis vor drei Jahren ungefähr…

      Allerdings würde das Legen eines Links auch nicht dazu führen, dass deutlich mehr Unique User auf die Seite strömen würden. Die meisten klicken wahrscheinlich das MSV-Portal direkt an und gehen nicht den Umweg über die MSV-Homepage.

  7. Danke für den Artikel und Hinweis. Da wir Paderborner auch nicht unbedingt zur Spitze in dieser Kategorie gehören, musste ich ebenfalls meinen Senf dazugeben.

    Erschreckend ist wirklich, dass Duisburg so weit hinten gelandet ist. Vorab dachte ich eher, dass wir oder die Vereine, die keine Zuschauermagneten sind, die rote Laterne annehmen – bis ich mal die Website des MSV besuchte. Wahrlich keine Augenschmaus. Erinnert mich an diese kostenlosen zusammengewürfelten de.vu-Seiten. Da sieht unser Auftritt sogar besser aus!

    Achja: „Selbst die Seiten von Erzgebirge Aue werden häufiger angeklickt“. Unter normalen Umständen würde da „Selbst die Seiten von SC Paderborn werden…“ stehen. Danke dafür. Scheinbar machen wir von uns reden 😉

    • Ach ja, Paderborn. Ich erinnere mich immer noch gerne an das Spiel bei Euch, bei dem Ihr eine ganze Zebraherde aus Pappe ins Stadion gebracht habt. Das war ganz großes Kino!! 🙂 Also von wegen „Wer ist Paderborn!“. 😉

  8. Hallo Tina!

    Sorry, aber die Meedia-Zahlen sind aaum aussagekräftig, da der MSV im Gegensatz zu anderen Vereinen keine Google-Ads aufs einer Homepage einsetzt. Daher können die Zahlen auch gar nicht anders sein… Der Ad-Planner zählt nur das, was da ist.

    Im übrigen finde ich, dass die MSV-Seite seit dem Amtsantritt von Martin haltermann deutlich besser und aktueller geworden ist. Mit dem Einbinden des MSVPortals haben beide Seite nicht unbedingt die besten Erfahrungen gemacht.

  9. Tja, da könnten jetzt die Strategen von Hellmich Marketing mal zeigen was Sie drauf haben. Zitat Homepage:
    „Hellmich Marketing ist immer am Puls der Zeit. Um unsere Kunden langfristig zufrieden zu stellen, sondieren wir ständig den Markt nach sinnvollen aktuellen Trends im Sportmarketing. Wir haben den Anspruch unseren Kunden immer den entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern zu verschaffen.“

    Allein mir fehlt der Glaube…..
    *hüstel*

  10. Hmm, der Kommentar von Markus Peters würde die ganze Angelegenheit natürlich ein wenig verändern. Was sagt denn der Experte André dazu?

  11. Die Frage ist ja nicht, ob die Media-Zahlen aussagekräftig sind, sondern ob den Zahlen die Werbepartner glauben.
    Was nützt einem die Beste Statistik, wenn Sie von den Entscheidern nicht zur Kenntnis genommen wird.

  12. Was haben Adwords mit der Besuchszahl zu tun? Eigentlich nichts.
    Wer selbst auswerten möchte, nimmt Analytics oder ähnliche Werkzeuge, ansonsten gibt auch Alexa einen guten Überblick über die Besucherzahlen, wenn auch nicht so detailiert.
    Die Frage ist also, woher kommen die Daten über die Besuchszahlen der gesamten Clubs? Wurden sie von den Clubs selbst herausgegeben?

  13. Der MSV setzt auf seiner Website Google-Analytics ein und die im Artikel aufgeführte Statistik gibt die Unique-Zugriffe aus, es ist das normalste der Welt, dass Google diese Daten auch in die Statistiken seines Werbenetzwerkes einfließen lässt.

  14. Wen wundert es das die Leute die Lust am MSV verlieren, bei den gezeigten Leistungen.Das hat nicht viel mit echtem Kampf, einer Einheit und spielerischem Vermögen zu tun 🙂 Das ist unterirdisch.Was machen die im Training, auf jedenfall nicht fussballspielen.

  15. Also ich mag unsere gute alte Homepage. Ist nicht so oll wie der Zebratwist,
    aber fast. Und der ist ja wohl hoffentlich unantastbar. Ich möchte am liebsten,
    das die Homepage so bleibt wie sie ist. Kenn ich mich aus, find ich alles immer
    wieder. Ist doch schliesslich auch was wert. Bei den meisten anderen Vereinen
    stört die Vielzahl der Popups, wenn man was sucht, tatsächlich. Was fehlt: Man
    sollte so eine Meckerecke einrichten, wo die User das Wort haben. Und die
    Meldungen könnten ruhig aktueller und auch mal kritischer sein. Jetzt, in der
    Krise, fand ich die Verlautbarungspolitik nicht ganz so dolle. Vielleicht kann man
    ja einmal im Monat ein wirklich kontroverses Thema zur Diskussion stellen?!