Ein Sieg macht noch keinen Klassenerhalt

Seltsames Spiel, seltsame Stimmung. Als ich heute zum Stadion hetzte – ich war zwölf Minuten zu spät und wusste den aktuellen Spielstand nicht -, hörte ich draußen erst nichts von den Rängen, dann ein saures „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n!“. Da wusste ich schon, was passiert sein musste. Und richtig – der Blick auf die Anzeigentafel bestätigte meine Befürchtungen: Ich hatte ein Tor verpasst, und leider keines meiner Mannschaft.

Na bravo, da wurden also alle meine Hoffnungen – und vor dem Spiel hatte ich viele Hoffnungen – erstmal enttäuscht. Die erste Halbzeit (das was ich davon noch zu sehen bekam), stieß mich tiefer und tiefer in eine gestreifte Lethargie. Das da auf dem Platz konnte doch nicht meine Mannschaft sein! Meine Mannschaft, die noch extra ins Trainingslager gefahren war und die sich gegen Paderborn doch einigermaßnen ordentlich präsentiert gewehrt hatte!? Ich war fassungslos. Und ehrlich – ich glaube, die meisten der 10.000 10.007 Zuschauer fühlten dasselbe. So still habe habe ich es im Stadion selten erlebt. Nur ab und zu wütende Pfiffe und einige böse Lieder. Dann wieder Stille. Schockstarre.

Ich habe die Schmählieder übrigens nicht mitgesungen, und ich finde es auch nicht richtig, den Griechen bei seiner Einwechslung auszupfeifen. Sicher, er ist zu oft zu hart rangegangen. Aber muss man ihn deswegen so hartnäckig dissen? Immerhin hat der Kerl immer gekämpft, wenn er auf dem Platz stand und eben nicht gemütlich die Beine hochgelegt, obwohl er nur ein Leihspieler ist. Dass er heute das 3:1 gemacht hat, hat mich gefreut.

Aber die Frage bleibt: Wie soll’s bloß weitergehen? Nächste Woche müssen wir nach Frankfurt, die werden uns auseinander nehmen. Ein Sieg gegen schlechte Audioten! macht noch keinen Klassenerhalt. Und was ich heute in der ersten Halbzeit sehen musste, war einfach unwürdig. Die zweite Hälfte war ein wenig besser, immerhin wurde hier und da mal Fußball gespielt. Natürlich – der zweite (!!) Heimsieg war immens wichtig. Wir stecken mitten im Abstiegskampf und brauchen jeden einzelnen Punkt. Nach dem heutigen Sieg können wir einmal kurz durchatmen. Aber er verkompliziert die Sache auch.

Denn jetzt dürfte es für die Verantwortlichen beim MSV noch schwieriger werden, über den Coach zu richten. Muss Sasic gehen, weil die erste Halbzeit eine Zumutung war und der Verein die Notbremse ziehen muss, wenn er nächste Saison nicht auf Asche spielen will? Oder muss Sasic bleiben, weil das Spiel gewonnen wurde und die Jungs nach seiner Halbzeitansprache nochmal Gas gegeben haben?

Tja, seltsames Spiel. Seltsame Stimmung. Ich habe keine Ahnung, wie’s weitergehen soll. Immer die gleiche Scheiße hier.

84 Gedanken zu “Ein Sieg macht noch keinen Klassenerhalt

  1. Haben ja schon einige schöne Spiele gesehen, wo wir dann verloren haben.
    Warum nicht jetzt mal ein solches Schweinespiel, das wir dann gewinnen?

    • Hoffentlich versuchen wir gegen Frankfurt nächste Woche dann nicht wieder „schön“ zu spielen….

      Das gestern war gar nix! Die erste Halbzeit zum Schämen, die zweite Hälfte nur marginal besser. Ich bin ein wenig hilf- und sprachlos, kann mich noch nicht mal über diesen „Sieg“ freuen, und das will was heißen. Gestern habe ich die Frage an anderer Stelle schon einmal gestellt: Liegt es am Trainer oder ist das, was auf dem Platz in weiß-blau gestreiften Trikots herumläuft das versammelte Unvermögen? Wäre Ingolstadt auch nur einen Hauch cleverer gewesen, es hätte zur Pause nicht unverdient 0:3 oder 0:4 stehen können. Ich will mich bewusst nicht auf Einzelkritiken verlegen (owohl mir durchaus das eine oder andere böse Wort zum einen oder anderen Zebra-Kicker einfallen würde), das habe ich bisher selbst immer als unfair und kontraproduktiv verurteilt. Das „große Ganze“ macht mir Sorgen, es läuft ja überhaupt nichts zusammen, ein katastrophaler technischer „Stockfehler“ nach dem anderen. Können die nicht? Wollen die nicht? Dürfen die nicht? Meine These war bisher: Eine Mannschaft, die was erreichen will, müsste auch ohne Trainer spielen können. Momentan fallen mir keine schlaueren Thesen mehr ein. Ich habe schon jetzt Schiss vor dem nächsten Spiel … und vor dem übernächsten und vor dem überübernächsten…

  2. Kommt man ins Büro – wird man direkt mit hämischer Stimmte gefragt: Naaaa wasn mit dem MSV los? Wie haben die denn das Spiel noch gedreht und tatsächlich gewonnen?

    Meine Antwort darauf: Ich gehe mit geduckter Haltung in mein Büro und trinke meinen Kaffee seit nunmehr 2 Wochen aus einer „FIRMEN“tasse mit „FIRMENLOGO“. Soviel dazu, was ich derzeit von diesen Weiß-Blauen Strümpfen halte. Meine Laune ist im Keller.

  3. ich glaube mir war ein Spiel des MSV noch nie so egal, wie an diesem Spieltag!!
    Nach zehn Min. das Tor, danach kein Aufbäumen seitens der Mannschaft.
    Da es im Schatten kälter wurde, sind wir dann von der Tribüne runter und an den Bierstand und haben tatsächlich 75 Min dort verbracht ohne Reue !!! Wir konnten gar nicht so viel Bier trinken wie wir hätten Ko…. können.
    Einfach nur erbärmlich und dann nächste Woche Frankfurt!!! Wenn wir so spielen bekommen wir vier Stück in den ersten 15 Min!!!!!!!
    Glücklicherweise hat auch Schalke verloren, sonst hätte ich mir auf der Arbeit wieder was anhören können / müssen!!

    • Wie willst du ein Spiel beurteilen, das du gar nicht gesehen hast,
      wie du selbst schreibst? Klar ist es legitim, nach dem, wie sie
      nach dem frühen Gegentor eingebrochen sind, auch rauszugehen,
      aber dann muß man die Analyse wohl auch auf den Teil
      eingrenzen, den man gesehen hat. Frage also für die
      restlichen siebzig Minuten an dich: Was kann dich in dieser
      Phase angekotzt haben? War das Bier zu kalt oder zu warm? War was mit der Wurst? Oder war der Senf nicht OK? Ich weiss, du
      meinst was anderes! Ich hatte auch Wut im Bauch nach der ersten
      Halbzeit. Aber nach der zweiten nicht mehr, und du hättest was
      an Kohle gespart, wenn du drin geblieben wärest, und hättest ein
      besseres Wochenende gehabt, so wie ich es hatte!
      Ich habe 45 Minuten gesehen, wo sie schweinemässig (!)
      gekämpft (!) haben. Vier Stück haben wir in der Saison noch nicht gekriegt, auch nicht gegen die, die vorne stehen. Bitte mal alle auf die Tabelle gucken, wir haben noch kein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied verloren.
      Das spricht eindeutig für die Stabilität der Mannschaft hinsichtlich Kampf und dem, was man neuerdings „Arbeit gegen den Ball“
      nennt.
      Nach dem ganzen Misserfolg ist für mich im Übrigen auch nachvollziehbar, das die Truppe nach einem erneuten frühen
      Gegentor komplett einbricht und stark unter Druck gerät. So ein
      Tor kann man sich einbrocken, wenn ein defensiver „Leader“
      (ich weiss, schick, aber „Führer“ passt nun erst recht gar nicht)
      wie Sukalo fehlt. Grade dann ist wichtig, was die Jungens gemacht
      haben: auf Linie bleiben, trotz Pfiffen, zunächst nichts forcieren,
      sich in die Pause retten, auch wenn es Scheisse aussieht.

      Ich fand es OK, wie sie dann in Halbzeit zwei zurück gekommen
      sind. Was an den Toren jetzt auszusetzen sein soll, ist mir
      vollständig unverständlich. Überlegt mal, was für Tore es waren,
      welche letzte Saison die Legende von Koch und Maierhofer
      begründeten? War eins von Jule jemals schöner als das von
      Pliatsikas? Hat Maierhofer jemals besser vor dem Torwart die
      Fluggrätsche angesetzt als Jula am Sonntag? Hat man von
      Veigneau überhaupt Flanken gesehen wie die Dinger von
      Berberovic? Gab es seit Dietz (im letzten Jahrtausend!)
      überhaupt einen Defensiven mit einer Torbilanz, wie sie Bajic
      nach elf Spielen aufweist?
      Mal ganz ohne Scheiss, Leute: ich finde, das müsste schon
      etwas mehr anerkannt werden, denn es ist doch grosser Sport!

      Zu kritisieren: Spiel noch zu statisch, alles hängt scheinbar daran,
      das sich Einzelne in die Bresche werfen. Ohne Jula wäre es wohl
      doch nix geworden, der machte den entscheidenden Unterschied.
      Aber Berberovic, etwa, war diesmal Sonderklasse, dito Fromlowitz,
      wieder einmal.
      Wirklich befremdlich: Jetzt, sind wir erstmal aus dem Sumpf raus und der langersehnte zweite Dreier ist endlich da! Man könnte
      sagen: eine Art Wiedererweckung, eine Katharsis, Jubel überm
      Stadiondach und jenseits der Wedauufer. Viele empfanden das
      auch so, trotzdem: Woher dieser grundlegende Pessimismus?!
      Vielleicht muß man wieder mal einfach über den Tellerrand raus
      gucken, wie andere ihre Spiele gewinnen, wie lange Phasen die
      haben, in welchen nichts zusammenläuft, und wie noch andere,
      zu denen wir nicht gehören, im Abstiegskampf pro Spiel mit
      vier Gegentoren Unterschied herauskommen (Karlsruhe 12:24
      Tore, Ingolstadt 15:29 Tore, Aachen 3:14 Tore). Also, die haben
      tatsächlich Sorgen!
      Klar, man kann sich fragen, ob im Endeffekt einiges zu kompliziert
      läuft oder was jetzt der Rücktritt im Vorstand wieder bedeutet, aber
      seit Sonntag sind das doch schon wieder Luxusproblemchen.

      Schätze, wir fangen uns jetzt langsam, und dann geht es auch
      aufwärts. Es wird sich noch zeigen, was für eine Power aus so
      einer Krise erst erwachsen kann. Nach dem Motto „nasses Zebra
      läuft am besten“. Und in der Rückrunde haben wir dann vielleicht
      alles Verletzungspech, und so, was den anderen (Pauli, Fürth und
      Düsseldorf sind gemeint) noch bevorsteht, schon hinter uns!

      • „Nasses Zebra läuft am besten“ finde ich richtig cool… Ansonsten finde ich Deine Einstellung wirklich löblich, und ich glaube, ich spreche hier einigen aus der Seele, wenn ich sage, dass ich gerne was von Deinem Optmismus kaufen würde, wenn es ginge. 😉

        Du hast recht, eigentlich gibt es keinen Grund, das Spiel gegen Ingolstadt so pessimistisch zu sehen, wie viele (und ich auch) es machen. Wir haben gewonnen, einen Rückstand aufgeholt, HEYA! Aber ich glaube, wir haben einfach alle Schiss! Weil man eben nicht sagen kann: Jetzt ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, jetzt klappt’s auch gegen Frankfurt oder von mir aus auch gegen Kiel. Ich habe das Vertrauen zu dieser Mannschaft verloren, das ist mein Problem.

        • Hallo Tina,

          mir geht es ähnlich, wenn nicht sogar genauso!!

          @christian
          ich brauchte das Spiel auch nicht wirklich sehen, denn es wurden immer mehr an dem Bierstand und eins kann ich dir sagen, sie hielten mit Informationen nicht hinterm Berg!!

          Aber natürlich kann ich deine Meinung auch akzeptieren und auch verstehen!!!
          Bloß mir geht es wie Tina, ich habe das Vertrauen verloren, nichts desto trotz werd ichbeim nächsten Heimspiel wieder da sein.

          Bis auf Asche, immer MSV!!