Pyrotechnik ist kein Verbrechen!?

© Gerd Altmann / PIXELIOPyrotechnik im Stadion ist verboten. „Aus gutem Grund“, sagen die Befürworter des Verbots, „das ist viel zu gefährlich!“ Doch nicht alle Fans sind dieser Meinung: Die Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“, die auch von der Kohorte Duisburg unterstützt wird, setzt sich dafür ein, Pyrotechnik als wichtiges Stilmittel der Fankultur in den Blöcken zu erlauben. Dafür ist auch MSV-Fan Sven Franke. „Aber nicht um jeden Preis.“ Ein Stimmungsbild.

Sven, Du bist seit vielen Jahren MSV-Fan. Was ist Deine Meinung: Sollte es erlaubt sein, bengalische Feuer im Stadion abzubrennen?

Ohne lange um den Brei herumzureden – ich bin unter gewissen Voraussetzungen dafür. Natürlich sollte eine Pyro-Aktion vorher durchgeplant werden und nicht wahllos zu beliebigen Momenten während eines Spiel gestartet werden. Aber das machen wir mit unseren Choreographien ja auch nicht.

Was macht die „Faszination Pyrotechnik“ aus? Kann die Stimmung im Stadion nicht auch ohne Pyrotechnik „brennen“?

Richtige Pyro-Aktionen habe ich in Duisburg bisher noch gar nicht erlebt, sondern meist nur einzelne Fackeln, die im Block verteilt waren. Schaut man sich aber mal im Internet, zum Beispiel bei Youtube, Videos aus Griechenland, Kroatien oder aus der Türkei an, so sieht man, wie positiv sich solche Aktionen vor dem Spiel auf die Stimmung auswirken. Gerade bei Flutlichtspielen gibt es einen richtigen Pyro-Effekt. Bei jedem Heimspiel muss das nicht sein, aber ab und an eine gute Pyro-Aktion – das würde die Stimmung richtig anheizen und andere, sonst eher ruhigere Fans animieren, ebenfalls die Mannschaft zu supporten. „Brennen“ – um Deinen Begriff nochmal aufzugreifen – kann das Stadion natürlich auch ohne Feuer. Da denke ich speziell an das DFB-Pokal-Finale. Da wären Fackeln absolut fehl am Platz gewesen.

Sven Franke, 30 Jahre alt, Zebra-Fan und im MSV-Portal als "fr4nkie" bekannt.

Kritiker der Initiative führen an, dass Pyrotechnik nicht umsonst verboten ist – und zwar nicht nur vom DFB, sondern auch per Gesetz. Wie kann garantiert werden, dass unbeteiligte Fans das Spiel ungestört beobachten können?

Wer bereits mal in Block H des Wedaustadions gestanden hat, kennt auch den Hinweis auf den Stimmungsblock: „Fahnen können die Sicht behindern, Mitmachen erwünscht“ etc. Mit einem ähnlichen Hinweis könnte man Personen darauf hinweisen, dass in gewissen Abschnitten eventuell Fackeln gezündet werden, und dass dort mit Rauch etc. zur rechnen ist. In diese Abschnitte muss dann ja niemand gehen, der einfach nur in Ruhe das Spiel anschauen will.

Aber der Rauch, der beim Abbrennen von Pyrotechnik entsteht, breitet sich im schlimmsten Fall über das gesamte Stadion aus.

Ja, der Rauch weht natürlich dahin, wohin der Wind ihn bläst. Daher sollten auch Nachbarblöcke und die höher gelegenen Sitzplätze wissen, was neben und unter ihnen passiert. Damit zum Beispiel Opa Heinz mit seiner Staublunge und sein 6-jähriger Neffe Phillip nicht aus Angst vor den Pyro-Dämpfen dauerhaft zu Hause bleiben, müssen Pyro-Aktionen auf jeden Fall angemeldet werden. Außerdem sollten die MSV-Fans im Vorfeld übers Internet oder durch Aushänge vor den Blöcken informiert werden. Auch diejenigen, die im Stadion Pyrotechnik zünden dürfen, sollten vorher namentlich benannt und vielleicht auch dem MSV in irgendeiner Form bekannt sein.

Kann denn auf diese Weise verhindert werden, dass Unbeteiligte verletzt werden?

Zusätzlich müssen natürlich Löschkisten mit Sand und Feuerlöscher für den Notfall bereitgestellt werden. Zusätzliches Rettungspersonal – Sani oder Feuerwehr – halte ich nicht für notwendig. Diese sind eh vor Ort und sollten dann während der eigentlichen Pyro-Aktion vor den entsprechenden Block gestellt werden.

Vertreter der „Pyrotechnik legalisieren“-Initiative betonen: „Wir lieben die Pyrotechnik, so wie wir unsere Zaunfahnen, Choreographien, Gesänge lieben. Und: wir werden sie uns nicht nehmen lassen.“ Nehmen wir mal an, die Initiative setzt sich mit ihren Forderungen nicht durch. Hättest Du Verständnis dafür, dass bestimmte Gruppen trotzdem bengalische Feuer zünden, obwohl die Vereine für das Verhalten eines Einzelnen oder einer einzelnen Gruppe weiterhin Strafe zahlen müssten?

Hier gehen die Meinungen auseinander. Ich habe auch zwei Meinungen. Dass unser MSV finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, weiß wohl jeder. Wenn Strafen wegen verbotener Pyro-Aktionen zu zahlen sind, finde ich das selbstverständlich nicht gut. Ich finde es aber immer noch besser, wenn der MSV wegen einer Pyro-Aktion Strafe zahlt als für hundert Idioten, die ihren Unmut kundtun, indem sie ihre Feuerzeuge auf das Spielfeld oder gegnerische Spieler werfen. Abschließend bleibt zu sagen, dass beim Zünden von Pyrotechnik natürlich Regeln zu beachten sind. Alle Parteien – und damit meine ich Vereine, Fans, DFB, DFL – müssen sich zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden. Es ist doch so: Die Fans werden weiterhin Wege finden, ihr Material in die Stadien zu schmuggeln. Es gibt also nur eine Entscheidung, die alle glücklich macht: Die Legalisierung von Pyrotechnik unter Beachtung einiger Auflagen.

 

Fotohinweis (Teaserbild): © Gerd Altmann / PIXELIO
Und ja, ich weiß, dass auf dem Foto kein bengalisches Feuer im Stadion zu sehen ist. Ist aber trotzdem ein Eye-Catcher, finde ich.

7 Gedanken zu “Pyrotechnik ist kein Verbrechen!?

  1. Das ist doch alles Quatsch. Pyroaktionen sind reine Selbstdarstellungen. Klar, sieht nett aus (um mal das LieblingsTotschlagsProArgument „aber dir gefällts doch auch“ sofort mal anzusprechen), aber deswegen spielen die unten auf dem Platz doch kein Deut besser. Und dafür sollte die Unterstützung doch sein, oder?

    Wenn das Stadion krach macht, kommt das unten an, und die laufen schneller, aber 1-2 Minuten Seenotrettungsfackeln abbrennen? Was soll da passieren?

    Und wenn für ne Aktion Feuerlöscher und Sand (mit wieviel Sand löscht man denn ne brennende Jacke?) in der Nähe sein müssen, kann das heutzutage in einem vollen Stadion nicht funktionieren. Die Dinger werden so heiß, so schnell kann keiner löschen. Und wenn das heiße Zeug auf die Hand tropft, ist an kontrolliert nicht mehr zu denken…

    Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre, Fackeln wie früher kontrolliert von vernüftig ausgerüsteten Personen unten vor der Nordkurve abzubrennen; hört sich aber nicht so an, als ob sowas gemeint wäre. Wobei der Rauchabzug in der Arena ein ganz anderer ist als im Wedaustadion (war mal bei nem Feuerwerk zur Halbzeit nett zu beobachten…)

    Und abschließend, die Einstellung zu Strafzahlungen und gesetzlichen Regelungen finde ich auch zumindest bedenklich. Wie wäre es, einfach mal keine Strafe zu zahlen, weil weder Feuerzeuge geworfen noch Pyros abgefackelt wurden?

  2. Das gefährliche ist doch nur das unkontrollierte und „heimliche“ zünden, wenn die Bengis z.B nach dem anzünden weg geworfen werden.
    Zu dem kommt auch noch, dass man fürs zünden derzeit „kriminalisiert“ wird bzw. eine echte Straftat begeht. Dazu auch noch die 3,5 Jahre Stadionverbot, die einen jungen Menschen komplett aus seinem sozialen Umfeld reissen können.

    Und mal ehrlich.. Den Funktionären und den Sendern wie Sky usw. kann es doch nur Recht sein, wenn in deutschen Stadien wieder eine „Südländische“ Atmosphäre herrscht. Das bringt Zuschauer bzw. Kunden.

    Natürlich kann ich aber auch den „Verein“ verstehen, der nicht die Verantwortung übernehmen kann. Alleine schon wegen Versicherungen usw.
    Hoffe man findet einen Konsens.

  3. Ich kann mir gut vorstellen dass Pyrotechnik bald in Duisburg erlaubt wird…wahrscheinlich von dem gleichen Knaller der die ach so sichere Loveparade durchgewunken hat. Und kurz darauf gibts dann ein Benefizspiel für die ersten Brandopfer…
    Was dieser Schmarrn im Stadion zu suchen hat ? Nix. Diese Fans sollen sich genügend Knallfrösche zu Silvester kaufen und gut ist…und mal beim Eishockey vorbeischauen wie gute Stimmung funktioniert. Brauchen die etwa Pyro ? Eben !

  4. hmm…es scheint mir, als würde man etliche meiner Aussage komplett falsch interpretiere. Ich habe nie gesagt dass Stimmung nur mit Pyro funktioniert. Der Vergleich mit dem Eishockey passt auch nicht, denn ich sage ja auch nicht dass ihr doch mal zum Tennis schauen solltet umzu merken dass beim Fussball deutlich mehr Stimmung ist. Der Äpfel/Birnen-Vergleich hinkt hier total.
    Zudem habe ich auch deutlich zu erkennen gegeben, dass Pyro nur dann erlaubt werden sollte, wenn gewissen Sicherheitsvorkehrungen gegeben sind. Wie diese aussehen können, ist nicht meine Aufgabe es herauszufinden. Ich habe solch ein Ding bisher nicht gezündet und habe nur meine Meinung kundgetan, wie man das Thema behandeln könnte. Bisher habe ich etliche male „Seenotfackeln“ in Stadien gesehen und bisher hat nie eine Jacke oder ein Fan gebrannt. Wieso sollte es gerade dann der Fall sein, wenn das Thema legalisiert wird?!?!
    Der Vergleich mit der Loveparade passt hier auch definitiv nicht hin, aber wenn einem die Argumente ausgehen…!

  5. Man muss ja nicht alles persönlich gesehen haben daher: google doch einfach mal nach Verletzten durch Pyro, Du wirst einiges finden…

    Legalisieren kann zudem weder der DFB noch die DFL oder ein Fanzusammenschluß. Warum kann man sich nicht damit abfinden das es gesetzlich verboten ist?
    Vor allem, wenn es doch nur dazu dient, die Stimmung „an(zu)heizen und andere, sonst eher ruhigere Fans (zu) animieren, ebenfalls die Mannschaft zu supporten.“ (Wobei „Stimmung anheizen“ und Pyro in einem Satz schon lustig sind…)?

  6. Super Stimmung funktioniert auch ohne Pyrotechniker, wie man ja deutlich in Berlin gesehen hat. Und vielleicht einfach mal bei den „normalen“ Fans nachhören, ob die Mehrheit so etwas überhaupt wünscht. Dann wäre das Thema schnell vom Tisch. Im übrigen wurden Seenotfackeln für einen bestimmten Zweck entwickelt…wie man vom Namen ableiten kann. Wenn diese Dinger demnächst in Dresden, Rostock oder Frankfurt legal zum Einsatz kommen dürfen dann gute Nacht.
    Vergleiche lassen sich immer leicht aushebeln, in Bezug auf die Loveparade hinkt er insofern aber nicht, da sich diesmal jemand vorher Gedanken über mögliche Verletzungsfolgen gemacht hat.