Ein Abend für Michael Tönnies

Ein bestens gelaunter Uli Potofski am Mikrofon, Spieler, die man seit Jahren nicht mehr an der Wedau gesehen hat, dazu ein paar schöne Tore und die Gewissheit im Nacken, dass wir dem Abstieg nochmal von der Schippe gesprungen sind: Eigentlich war das heute ein perfekter Fußballabend zum Ausklang der Saison. Und doch mischte sich Traurigkeit in die weiß-blaue Freude – immer wenn Michael Tönnies auf der Stadion-Anzeigetafel zu sehen war.

Es war sein Abend: Ob Uwe Weidemann oder Aziz Ahanfouf, Georg Koch, Pino Steininger oder Ewald Lienen – sie alle hatten die Fußballschuhe geschnürt, um ihn zu unterstützen. Früher war er einer von ihnen, auf dem Platz, in der Kabine. Heute steht er am Spielfeldrand, während sie dem Ball hinterherjagen. Zwei durchsichtige Schläuche sind in seiner Nase befestigt, jeder Satz scheint ihm Mühe zu bereiten. Michael Tönnies ist schwer krank, und es schmerzt, den ehemals “Dicken” so zu sehen.

Tönnies selbst schaut – Gott sei Dank – wieder optimistischer in die Zukunft, nachdem er sich schon fast aufgegeben hatte. Doch die Anteilnahme der MSV-Fans und die Organisation des Benefizspiels am heutigen Abend haben ihm neuen Mut gemacht. “Mir geht es mittlerweile besser als noch vor ein paar Wochen. Mein Kopf nimmt die Situation so langsam an und ich kann den mir bevorstehenden Weg positiv angehen”, hat Tönnies Reviersport verraten. Der 52-Jährige benötigt dringend eine neue Lunge. Nur konsequent, dass das Benefizspiel in der MSV-Arena zugunsten des Bundesverbandes der Organtransplantierten angepfiffen wurde.

3.532 Zuschauer kamen und erlebten eine unterhaltsame Partie zwischen der MSV-Traditionself und “Tönnies & Friends”, bei der alte MSV-Recken, Sänger, Schauspieler und andere irgendwie Prominente um die Wette schnauften. Garniert wurde das Ganze mit den markigen Sprüchen von Uli Potofski, der die Moderation des Abends übernommen hatte und die Menge immer wieder zum Lachen brachte: “Herr Schiedsrichter, sehen Sie nicht? Die Tönnies-Elf ist zu zwölft auf dem Platz! Das macht dem MSV aber nichts, das sind die gewöhnt!” oder “Das ist keine Zeitlupe, das Spiel ist so langsam!”.

Ein schöner, ein runder Abend also. Aber auch ein Abend, der nachdenklich macht, traurig und hilflos.

Für heute kann ich nicht mehr tun, als Tönnies von Herzen alles Gute zu wünschen. Und mir fest vorzunehmen, über die Frage nachzudenken, ob wir nicht alle schleunigst einen Organspende-Ausweis beantragen sollten…

3 Gedanken zu “Ein Abend für Michael Tönnies

  1. War immer ein toller Blog. Und ausserdem wichtig für das allgemeine Lebensgefühl, dass auch ein Mädel sowas macht. Hoffe, du kommst nochmal wieder, liebe Tina!