Gastbeitrag: Ein Blick in die Fußball-Niederungen

In seinem Gastbeitrag schreibt mein Kollege Harald Bange über Fußball-Niederungen, die uns hoffentlich erspart bleiben. Zugleich macht er uns Hoffnung: Auch jenseits der Zweiten Liga wird Fußball gespielt und geliebt.

Schon (viel zu) lange habe ich das auf meiner To-Do-Liste: ein Gast-Beitrag für Tinas Zebra-Blog. Von dem bin ich Fan. Und von der Tina. Den Beitrag swollte ich eigentlich schreiben, „wenn’s beim MSV mal wieder besser läuft“. Damit meine Ansichten aus den Fußball-Niederungen bloß nicht irgendwie verkehrt ankommen. Nun läuft’s beim MSV in dieser Saison nur dummerweise so selten „mal wieder besser“, geschweige denn „so richtig gut“. Also schreibe ich jetzt einfach mal…

„Fußball-Niederung“, das ist in meinem Fall die NRW-Liga (= dort, wo ja auch die „kleinen Zebras“ spielen). 5. Liga. Vor einem Jahr sogar noch niederer, in der Niederrheinliga nämlich, wo die Gegner noch Sportfreunde Baumberg oder SV Hönnepel-Niedermörmter hießen. Zum Glück vorbei, die Zeit, denn nach 17 Jahren voller Abstiege und Stagnation sind wir dann ja doch endlich mal wieder aufgestiegen. Kenner des unterklassigen Fußballs wissen nun: Ich schreibe quasi aus der Uerdinger Grotenburg, wo man stimmgewaltig den KFC anfeuert, bisweilen auch gegen Leverkusen, Mönchengladbach und RWE brüllt – selten bis nie aber gegen die Zebras. (Außer, man spielt wohlmöglich gerade gegen welche, gegen die besagte Zweitvertretung zum Beispiel.)

Antipathien zum MSV hege und pflege zumindest ich keine. Im Gegenteil: Habe immer gerne „gegen Euch gespielt“. Damals. Zusammen mit Tina war ich seinerzeit (Saison 2007/08) auch bei jenem „Rettungsspiel“, zu dem die Zebras in die Grotenburg kamen, als es bei meinem KFC „mal wieder schlechter“ lief. Man kann sagen: Der MSV hat auch ein kleines Stück dazu beigetragen, dass es uns heute überhaupt noch gibt, wenn auch so weit unten, fernab jeder nenneswerten medialen oder sonstigen Wahrnehmung – außer, man bringt sich selbst in die Schlagzeilen wie mit dem Ailton-Transfer oder gerät hinein wie in der vergangenen Saison rund um die unrühnlichen Ereignisse in Ratingen Beides muss ich übrigens nicht wieder haben, sondern stattdessen einen sportlich überzeugenden und begeisternden KFC, wie zuletzt etwa beim furios-spannenden 3:2 im NRW-Liga-Spitzenspiel gegen Velbert. 

Was die Quintessenz dieses Beitrags eigentlich sein soll?! Habe ich mich natürlich auch gefragt. Mehrerlei. Zunächst einmal drücke ich Euch die Daumen, dass Ihr drin bleibt! Die Hoffnung stirbt zuletzt – und was ich so vom jüngsten Spiel gegen Fürth las und und hörte und sah, besteht ja doch noch allerhand Grund zur Hoffnung. Die Mannschaft „lebt“, und das ist gut. Falls es am Ende (wider meiner Erwartung) doch nicht klappen sollte: „Lebbe geht weider!“ Allermeistens auch das sportliche. Wie oft ich in den vergangenen Jahren schon gedacht habe, dass es nun „endgültig aus“ sei oder dass ich „mir das nicht mehr antue“ … Mit der Zeit zeigt sich aber, dass doch erstaunlich viel geht und dass man sich „plötzlich“ an Orten wiederfinden kann, die man bis dahin nicht einmal kannte, und bei Spielen, die man sich vorher niemals hätte anschauen wollen – und dass das mitunter sogar einen Heidenspaß machen kann.

Ich will gar nichts groß von der „Ursprünglichkeit“ des Fußballs „da unten“ faseln. (Wenngleich da sogar was dran ist …) Weil natürlich auch mir ein Meisterschaftsspiel gegen Dortmund, Schalke oder eben den MSV in der Bundesliga lieber wäre als eines gegen „Hö-Nie“ – aber die „Liebe“ zu und Leidenschaft für einen Verein ist bei uns Fans eben auch nicht an die Zugehörigkeit zu einer Liga gebunden. Ich denke, da hat jeder seine eigene Geschichte, wie und warum er Anhänger dieser jeweils ganz bestimmten Farben wurde – und die wächst und gedeiht mit ihm und macht letztlich weit mehr aus als die aktuelle Situation, und sei diese momentan auch noch so prekär.

In dem Sinne: Bleibt Euren Zebras treu und haltet die Ohren steif! Ihr packt das! Und vielleicht sehen wir uns in ein paar Jahren dann auch mal wieder, also „da oben“. Bzw. ich bin mir da sogar hoffnungsfroh-sicher: Weil a) Ihr es schafft und die Klasse halten werdet und b) wir jetzt erstmal gepflegt in die Regionalliga durchstarten, von wo aus es dann auch bei uns sehr gerne und weiterhin „mal wieder besser laufen“ darf. (Man wird ja noch „träumen“ dürfen. 😉 )

Harald Bange, 36, kommt aus dem Sauerland und ist seit Mitte der Achtziger Fan des KFC (damals noch Bayer 05) Uerdingen. Seit zehn Jahren arbeitet und wohnt er in Essen. Diese Saison alle bisherigen 19 KFC-Spiele in der NRW-Liga live gesehen und dabei teils schön gejubelt, teils schlimm gelitten.

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