Warten auf die Entscheidung

Es war das beste Spiel, das wir in dieser Saison gesehen haben. Die Jungs haben gekämpft, waren mit Leidenschaft bei der Sache, haben getreten und gebissen. Die Punkte nahmen am Ende trotzdem die Fürther mit. Und deswegen muss Olli Reck wahrscheinlich gehen.

Ausgesprochen ist es noch nicht. Aber die öffentliche Demontage Olli Recks hat bereits vor einigen Tagen begonnen. Mit Berichten wie diesem hier. Oder diesem hier. Nach der Niederlage gegen Dresden wurde ein öffentlicher Druck aufgebaut, den ich in meinen Tagen als MSV-Fan noch nicht erlebt oder verdrängt habe. Siegen oder fliegen. Moment mal – siegen? Gegen den Tabellenführer? Mit einer Mannschaft, die Reck sich nicht selbst zusammengestellt, sondern komplett vom harten Hund Sasic übernommen hat? Ja, klar. Das kann doch gar nicht gut gehen, dachte ich im Vorfeld.

Und dann läuft da eine Mannschaft auf, die sich für ihren Coach endlichendlich den Allerwertesten aufreißt, sich Chancen erarbeitet und nicht nur mitspielt, sondern den Fürthern tatsächlich das Fürchten lehrt. Kein Treffer, nein, der Abschluss geht immer wieder in die Hose, aber trotzdem ist da wieder etwas, das wir Fans so lange vermisst haben: Kampfesgeist. Wille. Leidenschaft. „Das war die beste Halbzeit, die ich in diesem Jahr gesehen habe“, musste auch Roland Kentsch mit einem aalglatten Lächeln während der Pause im sky-Interview konstatieren.

Es hat wahrscheinlich alles nicht gereicht. In diesen Minuten sitzen die Verantwortlichen des MSV zusammen. „Das war’s dann wohl für Olli Reck“, orakelt Reviersport. Mir tut es leid. Für Olli. Seine Quote ist miserabel, keine Frage. Doch das Ultimatum, das ihm via Bild-Zeitung gestellt wurde, finde ich seiner unwürdig.

Aber: Könnte man Reck jetzt überhaupt noch halten? Sicher, mit Hinblick auf das heutige Spiel, das heutige Aufbäumen, könnte das Präsidium die ausgeprochene halbe Kündigung ohne Gesichtsverlust zurücknehmen. Doch wenn es dann immer so weitergeht? Gut gekämpft, keine Punkte – auch damit steigt man am Ende ab. Vielleicht kann ein anderer doch noch mehr bewegen? Und wenn nicht – dann bleibt wenigstens nicht das blöde des Gefühl, nicht alles versucht zu haben.

Deswegen werden sich die MSV-Obersten von Reck trennen. Davon gehe ich aus, und wahrscheinlich muss es in dieser Situation auch so sein. Das ist Fußball 2012.

Nachtrag: Am späten Samstagabend hat die MSV-Führung entschieden, dass Reck im Amt bleibt. Zumindest bis auf Weiteres.

10 Gedanken zu “Warten auf die Entscheidung

  1. Hey Tina,

    genau so geht es uns Fans besser kann es keiner zusammenfassen DANKE! Jetzt warten wir ab was geschieht

  2. Schade eigentlich, weil ich glaube die Mannschaft hat heute nur FÜR Olli gespielt.

  3. Denke, man muß die Person Olli Reck ja auch schützen. Weiterhin bleiben Tore oder auch nur tatsächliche Torgefahr ja aus. Wenn die Truppe heute gut gekämpft und auch spielerisch überzeugt hat, spricht es für den Motivator Reck und auch für die Mannschaft, die viele ja schon als Verlierertruppe abgestempelt haben. Aber wenn wir jetzt weitere Spiele verlieren, wird der Reck ganz klar zum Buhmann werden und muß am Schluß noch unter Polizeischutz aus dem Stadion gebracht werden, wie es ja früher beim Bommer gewesen sein soll. Und was die Auswechs- lungen angeht, habe ich das alles auch heute wieder nicht nachvollziehen können. Glaube, jetzt kann er noch aufrecht und als bei uns angesehene Person

  4. ..da rauskommen. Ich würde mich auch freuen, wenn er als Torwarttrainer weiter macht. Aber jetzt Cheftrainer zu bleiben, damit tut er sich persönlich sicher keinen Gefallen mehr. Und auch die, die ihn vielleicht dazu überreden, nicht.

  5. Sehr schön beschrieben. Geht das jetzt immer so weiter? Nach dem Spiel bei Union muss Oli wieder warten, ob die Leistung „okay genug“ war? Egal wie, nur bitte bitte nicht Uwe Rapolder…..:-((

    • Mit Uwe Rapolder kriegten wir jedenfalls die schönste Silberlocke in der ganzen zweiten Liga. Ist doch auch schon mal was, finde ich!

  6. Das beste Spiel der Saison! Und ich überfliege gerade den Artikel in Der Westen und ich fasse es wirklich nicht, wie da weiter Stimmung gegen den Verein gemacht wird. Ich erlebe da zum ersten Mal eine Kampagne, sind das die Versuche, die weglaufenden Leser aufzuhalten? Zögerlich handele der Vorstand. Das ist infam. Die Grlic-Aussage sei als Ultimatum verstanden worden. Ja, bitte, von wem denn? Doch nur von BILD und den Journalisten, die in dem Absatz des Artikels so tun, als sei das jemand anders gewesen. Die verlassen gerade die Gefilde des seriösen Journalismus.

    Und natürlich steigen wir nicht ab. Mit Olli Reck. Klares Bekenntnis zu ihm, so steht es auf der MSV-Seite. Die meisten Zuschauer waren gestern auf der Seite von Verein und Mannschaft. Und das gegen die Stimmungsmache der Quasi-Monopolisten der Sportberichterstattung vor Ort.

    • Ernstes Thema, diese Pressekampagne. Als ich im Stadion war sind nämlich auch gewöhnlich gut informierte und altgediente Anhänger nach dem Spiel davon ausgegangen, das der Reck jetzt weg ist. Da können tatsächlich Automatismen entstehen, aus denen sich dann Fakten ergeben, wenn es hinterher so aussieht, als schwankten die Entscheidungsträger beim Verein hin und her. Vielleicht sind ja selbst die Kontakte zu Rapolder unter diesen Voraussetzungen nur eine reine Luftnummer, die sich jemand deswegen ausgemalt hat, weil sich Kentsch und Rapolder kennen

      • Ich verstehe das auch nicht. Bin natürlich auch nicht mehr nah genug „dran“. Aber es wäre – aus meiner vielleicht naiven Sicht – fairer gewesen, so ein Ultimatum nur intern auszusprechen. Vielleicht ist dies auch geschehen und die Nachricht ist trotzdem durchgesickert?

        Spekulatius!